IWJ - NEWS


Goldschakal Projekt Österreich von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert.

12. Juli 2018

Das Goldschakal Projekt Österreich zur Erforschung des Vorkommens von residenten Goldschakalen wird ab Oktober 2018 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für zwei Jahre gefördert. Seit 2007, nachdem die erste Goldschakal Reproduktion in Österreich bestätigt wurde, gab es immer wieder vereinzelte Zufallsbeobachtungen. Im Rahmen einer Pilotstudie konnten bereits mittels spezieller Rufanimation – und mit Hilfe von Freiwilligen, der Unterstützung von österreichischen Jagdverbänden, dem Grünen Kreuz und der Stiftung Aktion Österreich-Ungarn – aktiv Goldschakal Nachweise erbracht werden. Nun kann in weiteren Teilprojekten unter anderem nach Losung gesucht und ein Habitatmodell erstellt werden – mit dem Ziel Management-Tools für eine potenziell wachsende Schakalpopulation zu etablieren. Weitere Infos unter: www.goldschakal.at Projektleitung: Jennifer Hatlauf

Ab 16.07.2018, eine Woche lang jeden Tag um 8:55 auf Ö1: Wiederholung des Podcasts „Goldschakale in Österreich“ aus der Sendereihe „Vom Leben der Natur“ https://oe1.orf.at/programm/20180716


Neues Schwarzwildprojekt – Auswirkungen unterschiedlicher Jagdmethoden!

29. Juni 2018

Im Oktober startet das IWJ aufgrund der Aktualität hoher europaweiter Wildschweinbestände und damit einhergehender Problematiken (Schadenssituationen, Afrikanische Schweinepest…) ein neues Schwarzwildprojekt. Untersucht wird das Raum-Zeit Verhalten des mit verschiedenen Bejagungsstrategien bejagten Schwarzwildes. In vier Teilgebieten werden die Bewegungsmuster besenderter Tiere erstmalig zwischen konventioneller Jagd, Jagdruhe, Jagd mit Nachtsichtzielgeräten und Jagd mit Schalldämpfern erforscht.  Die Ergebnisse werden zu den Diskussionen über bestehendes und mögliches Jagdmanagement beitragen.

Die Untersuchungen werden in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten im ÖBf Forstbetrieb Nationalparkbetrieb Donau-Auen durchgeführt. Gefördert wird das Projekt von der Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Projektleitung: Prof. Klaus Hackländer

Wissenschaftliche Bearbeitung: Andreas Daim

Projektlaufzeit: 3 Jahre, Oktober 2018 – September 2021


Mag. iur. Kathrin Bayer mit Auszeichnung promoviert!

Kathrin Bayer hat ihre Dissertation zum Thema "Hunting Systems and Property Rights" (Betreuungsteam Univ.Prof. Dr. Iris Eisenberger und Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer) heute erfolgreich abgeschlossen und insgesamt mit Auszeichnung absolviert. Die kumulative Dissertation verglich die Jagdsysteme in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Insbesondere wurden Jagdfreistellungen aus ethischen Gründen, Jagdgatter und Eigentumsrechte behandelt und erörtert. Die Beiträge werden in internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Wir gratulieren herzlich!


Ende der Jagdgatter in NÖ kommt!

Die NÖ Landesregierung kündigte letztes Jahr das Ende der Jagdgatter ("Umfriedete Eigenjagden") in Niederösterreich für 2029 an. Der entsprechende Entwurf für die Jagdgesetznovelle wurde von diversen
Interessensgruppe kontrovers diskutiert und fand vor der letzten Landtagswahl keine Mehrheiten mehr.

In einem neuen Anlauf erarbeiteten die Experten im Amt der NÖ Landesregierung einen neuen Entwurf unter Mitwirkung von Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer.  Darin wird festgehalten, dass umfriedete Eigenjagden wie geplant nurmehr bis 2029 genehmigt werden. Eine mögliche Nachnutzungsform sollen Wildgehege darstellen, die der Wildhege und der Erholung, Forschung oder Schulung dienen. Die Schalenwildbestände in diesen Wildgehegen müssen der Lebensraumtragfähigkeit der Eigenjagd angepasst sein. Das Aussetzen von Wild zum Zwecke des Abschusses wird ebensowenig erlaubt sein wie die ganzjährige Fütterung. Die Wildstandsregulierung in Wildgehegen soll schonend erfolgen. Dies bedeutet, dass Treibjagden mit Hunden verboten und die Schusszeiten an die Bedingungen in freier Wildbahn angepasst werden. Die Strafen für Vergehen gegen diese Auflagen werden deutlich angehoben und reichen bis zur Auflösung des Wildgeheges.

"Insgesamt wird in den neuen Wildgehegen die Weidgerechtigkeit und damit der Tierschutz groß geschrieben. Die Umfriedete Eigenjagd als Jagdbordell ist damit in Niederösterreich Geschichte", so Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer.

Der Entwurf fand bereits die Zustimmung der Landtagklubs der ÖVP, SPÖ sowie FPÖ und soll in der Landtagssitzung am 28. Juni beschlossen werden.


Kickoff Meeting „ConNat ATCZ“

Kickoff Meeting „ConNat ATCZ“

Am 2. Mai fand in Retz (NÖ) das Kickoff-Meeting für das von der EU und dem Land Niederösterreich geförderte Naturschutzprojekt „Connecting Nature - ConNat ATCZ“ statt. Ziel des Projekts ist die langfristige Sicherung von Wildtierkorridoren zur Lebensraumvernetzung zwischen Niederösterreich und Tschechien, sowie Maßnahmen zum Schutz von Mooren als bedeutende Sonderlebensräume. Aufgabe der BOKU (IWJ und IVFL) ist es, die Durchlässigkeit der Landschaft und deren Engstellen, im Projektgebiet am Beispiel von Rotwild zu modellieren. Zusätzlich werden bestehende lokale Wanderrouten und Wildtierkorridore in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft vor Ort erhoben und dienen zur Evaluierung des Modells. Bei dem Treffen wurden bisherige und zukünftige Arbeitsschritte der unterschiedlichen Arbeitsgruppen (11 Partner aus Tschechien und Österreich) vorgestellt und koordiniert. Die Bedeutung dieses grenzüberschreitenden Projekts wurde von Landesrat Martin Eichtinger, Pavel Hroch, Vizegouverneur des Kreises Südböhmen und Martin Hyský, Kreisrat des Kreises Vysočina hervorgehoben. Auch Herr Christian Übl, Direktor des Leadpartners Nationalpark Thayatal betonte den positiven Effekt der Lebensraumvernetzung auf den Artenaustausch im Sinne der Biodiversität.

Als Beteiligte der BOKU waren Mag. Franz Suppan (IVFL), Dr. Alfred Frey-Roos (IWJ) und Gert Niederkofler, MSc. (IWJ) vor Ort.

Foto ist vom ersten Meeting im Dezember 2017


 

Forschungsstipendium an Gert Niederkofler

Forschungsstipendium an Gert Niederkofler

Im Rahmen einer akademischen Feier im Festsaal der BOKU nahm Gert Niederkofler MSc das Forschungsstipendium für Graduierte entgegen. In seiner Laudatio hob Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer nicht nur die ausgezeichnetwn Studienleistungen, sondern auch das geplante Forschungsprojekt hervor. Gert Niederkofler wird unter der Leitung von Univ. Ass. Dr. Fredy Frey-Roos die Raumnutzung von Füchsen im periurbanen Bereich untersuchen.

 

Wir wünschen viel Erfolg!

 

Link zu weiteren Fotos von der Akademischen Feier


 

 

Hohe Auszeichnung für Kathrin Bayer

Hohe Auszeichnung für Kathrin Bayer

Kathrin Bayer steht kurz vor dem Abschluss Ihrer Dissertation zum Jagdrecht (betreut von Univ. Prof. Dr. Iris Eisenberger und Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer) und wurde vom Wirtschaftsmagazin Trend zur besten Junganwältin (Kanzlei Eisenberger & Herzog) gekürt.

 

Wir gratulieren herzlich!


IWJ verliert einen wertvollen Partner

Vorarlbergs Alt-LJM Dr.med. Ernst Albrich ist am Sonntag, 22.4.2018 auf dem Weg zu seiner Jagdhütte im Montafon tödlich verunglückt.

 Das IWJ verliert damit einen hochgeschätzten Partner und wertvollen Unterstützer unserer Forschung und Lehre. So war Dr. Albrich u. a. Impulsgeber für unsere Studien zur jagdlichen Tauglichkeit bleifreier Munition und verlässlicher Förderer der vom IWJ co-veranstalteten Österreichischen Jägertagung. Darüber hinaus hat Dr. Albrich in zahlreichen Kamingesprächen im Rahmen des Universitätslehrgangs Jagdwirt/in Studierende mit seinen Gedanken zur Jagd inspiriert.

 Wir verneigen uns vor einem wahren Freund!


Lange Nacht der Forschung 2018

Das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ), vertreten durch Jennifer Hatlauf, Margit Zohmann-Neuberger, Paul Griesberger, Florian Kunz und Gert Niederkofler, hat sich bei der „Langen Nacht der Forschung“ am 13. April 2018 präsentiert.

Am Heldenplatz wurden den BesucherInnen umfassende Informationen zu den Themen Wildtierökologie und Wildtierforschung vermittelt. Neben Präparaten und Anschauungsobjekten, konnten sich Interessierte auch in der VHF Telemetrie üben und über GPS Halsbandsender informieren. Mit Hilfe von Spuren- und Federnrätsel konnte eigenes Wissen getestet und erweitert werden. Im „Science Café“ des Naturhistorischen Museums informierten sich Besucher in gemütlicher Atmosphäre zu dem laufenden Goldschakalprojekt des IWJ und konnten mit der Projektleitung aktuelle Fragestellungen diskutieren.

Der große Andrang spiegelt den Erfolg dieser Veranstaltung wieder.


Sind Rehe wirklich so sesshaft?

Das IWJ beteiligt sich seit Jahren aktiv an der internationalen Forschungskooperation EURODEER. Die in Österreich gesammelten Daten werden im europäischen Kontext gemeinsam von der Gruppe analysiert.
Ein aktueller Beitrag dieser Arbeitsgruppe, unter Mitarbeit von Robin Sandfort, beschäftigt sich mit der Frage ob Rehe ihr Streifgebiet tatsächlich nur im Laufe der Jahreszeiten verlagern. 251 besenderte Rehe, aus fünfzehn europäischen Populationen, wurden dafür untersucht.
Die Studie zeigt, dass Rehe auch innerhalb von Sommer und Winter mehrere kurzzeitige, funktionale Streifgebiete nutzen. Diese Strategie wird besonders deutlich, wenn der Lebensraum räumlich komplex ist und/oder sich unvorhersehbar verändert. Um die zeitliche und räumliche Verteilung der Äsungsqualität vergleichen zu können wurde die per Satellit gemessene Ergrünung der Vegetation (NDVI) herangezogen. Die Anzahl der funktionalen Streifgebiete pro Saison wurde nur minimal von der Variation der Äsungsqualität (NDVI) beeinflusst, nahm aber mit steigender Streifgebietsgröße ab. Die Distanz zwischen den funktionalen Streifgebieten nahm bei größerer Heterogenität und Vorhersagbarkeit der Verteilung der Äsungsqualität, sowie bei steigender Streifgebietsgröße zu.
Rehe nutzen also innerhalb ihres saisonalen Streifgebiets mehrere kleinere funktionale Streifgebiete um flexibel auf lokale Veränderungen der Nahrungsqualität reagieren zu können.

Originalartikel:
Couriot, O., Hewison, M., Saïd, S., Cagnacci, F., Chamaille‑Jammes, S., Linnell, J., Mysterud, A., Peters, W., Urbano, F., Heurich, M., Kjellander, P., Nicoloso, S., Berger, A., Sustr, P., Kroeschel, M., Soennichsen, L., Sandfort, R., Gehr, B., Morellet, N. "Truly sedentary? The multi-range tactic as a response to resource heterogeneity and unpredictability in a large herbivore." Oecologia (2018): 1-4.

Link zum Originalartikel

Rebhuhn-Probekartierung in Wien

Warum sollte ich überhaupt Rebhühner verhören? Wie geht das? Und wo macht es Sinn?

Um diese Fragen zu beantworten, fanden am 23. und 29. März 2018 zwei Probekartierungen statt. Ziel der Kartierungen war es, den JägerInnen aus Wien die Methodik der Kartierung direkt im Freiland zu veranschaulichen und Sie darüber aufzuklären, wann und warum die Erhebungen notwendig sind. Vor allem JägerInnen aus den Wiener Bezirken Floridsdorf und Donaustadt waren anwesend. Darüber hinaus war die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) bei den Freilandterminen eingebunden. Bei den Begehungen am Fuße des Rendezvousberges im 21. Bezirk konnten viele Fragen geklärt und weitere Maßnahmen diskutiert werden.

Die Probekartierungen fanden im Rahmen des aktuellen Projektes „Das Rebhuhn in Wien“ (Projektleitung: Eva Schöll, MSc.) statt.

Bärinnen behalten Nachwuchs aufgrund des Jagddrucks länger bei sich! Forscher zeigen anhand von Bären in Schweden, wie menschliches Verhalten den Lebensrhythmus von Tieren verlangsamen kann.

Einen auf den ersten Blick paradoxen Effekt der Jagd auf Braunbären in Schweden hat ein Forschungsteam mit österreichischen Beteiligung gefunden. Im Gegensatz zu der Annahme, dass bejagte Tiere sich eher rascher vermehren müssen, behalten dort viele Bärinnen ihren Nachwuchs länger bei sich. Das ist eine Folge der Jagdvorschriften, zeigen die Wissenschafter im Fachblatt "Nature Communications".

Bereits seit Mitte der 1980er-Jahre folgen Forscher vor allem der Entwicklung der schwedischen Braunbär-Population. Im Rahmen des "Scandinavian Brown Bear Project" werden beispielsweise mit Sendern Informationen über die Lebensweise der Tiere gesammelt. Seit dem Ende der 1990er-Jahre ist auch Andreas Zedrosser, der am University College of Southeast Norway und am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien tätig ist, an dem Projekt beteiligt.

Daten aus zwei Jahrzehnten zu den Überlebens- und Reproduktionsraten zeigen nun, wie sehr die Jagd das Verhalten der Tiere verändert. In Schweden werden jedes Jahr immerhin rund zehn Prozent der insgesamt etwa 3.000 Braunbären geschossen. Sind sie jedoch im Familienverband unterwegs, dürfen sie nicht gejagt
werden.

Das Wissenschafterteam um die kanadische Forscherin Joanie Van de Walle zeigte nun, welche Auswirkungen dies hat: In der Regel behalten weibliche Bären ihre Jungen eineinhalb Jahre bei sich. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte nahm aber die Zahl jener Bärinnen zu, die ihren Nachwuchs zweieinhalb Jahre bei sich behielten.
Das verlängerte Kinderhüten hat zur Folge, dass sie weniger Möglichkeiten zur Fortpflanzung haben. Aufgrund der geltenden Jagdbestimmungen überwiegen aber die Vorteile der höheren Überlebensraten für Mutter und Nachwuchs die Nachteile der selteneren Fortpflanzung. Hier werde klar, wie menschliches Verhalten bei Tieren ein eher unübliches Verhalten in relativ kurzer Zeit fördern kann.

"Unsere Studie zeigt, dass Jagdbestimmungen indirekt zu langsameren Lebenszyklen führen kann", schreiben die Wissenschafter. Das sei interessant, da bisher oft beobachtet wurde, wie Jagddruck zu Fortpflanzung in jüngerem Alter führte und Tiere zu einem insgesamt schnelleren Lebensrhythmus nötigte.

(Link zum Atikel - http://dx.doi.org/10.1038/s41467-018-03506-3)

Der Klimawandel treibt Schneehasen in die Höhe

Wenn sich das Klima erwärmt, werden die Lebensräume für den Schneehasen in den Schweizer Alpen kleiner und zerstückelter. Damit dürften die Bestände schrumpfen, legt eine internationale Studie unter Mitwirkung der Universität für Bodenkultur nahe.

Spezialisierte, an das Leben im Hochgebirge angepasste Arten wie der Schneehase sind vom Klimawandel besonders stark betroffen. Wird es dem Schneehasen zu warm, kann er nur in begrenztem Maß in kühlere, höher gelegene Gefilde ausweichen. Tatsächlich dürfte die Fläche an geeignetem Lebensraum für den Schneehasen in der Schweiz bis ins Jahr 2100 im Mittel um ein Drittel schrumpfen, haben Forschende aus der Schweiz (Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, Universität Bern) und der Universität für Bodenkultur in Wien errechnet.

 Der Lebensraum wird nicht nur kleiner, sondern auch stärker zerstückelt. Dadurch sind die Schneehasenbestände weniger gut vernetzt, was zur genetischen Verarmung führen kann. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Zahl der Schneehasen zurückgehen wird, so das Fazit der Studie, die im Wissenschaftsjournal «Global Change Biology» veröffentlicht ist. Sie identifiziert gleichzeitig die wichtigsten Schneehasengebiete der Zukunft, die für die Vernetzung einzelner Populationen und den Schutz der Art entscheidend sind.

Schneehasen im Hitzestress

Das Forscherteam untersuchte den Einfluss des Klimawandels auf die Verbreitung der Art in den Schweizer Alpen anhand von 1046 Schneehasennachweisen aus den Jahren 1990 bis 2013. Dazu modellierten sie die Lage und Ausdehnung der aktuellen sowie der zukünftigen geeigneten Lebensräume anhand verschiedener Klimaszenarien des internationalen Klimarats IPCC. Ob ein Lebensraum für Schneehasen geeignet ist oder nicht, hängt von Faktoren wie Nahrungsverfügbarkeit, Schutz vor Räubern, Hitze und Kälte sowie menschlichen Störungen ab.

 Es zeigte sich, dass vor allem die steigenden Temperaturen in der Fortpflanzungsperiode der Hasen den nutzbaren Lebensraum beeinflusst. An Kälte angepasste Arten können ihre Körpertemperatur in heißen Sommern weniger gut regulieren als wärmeliebende Arten. Sie müssen in kühlere Regionen ausweichen, was aufgrund der sich nach oben verengenden Berge und der schroffen Felswände nur begrenzt möglich ist.

 Die Modellrechnungen ergaben einen Lebensraumverlust von 26% bei einem mittleren und 45% bei einem starken Erwärmungsszenario in der Schweiz. Es zeigten sich aber starke regionale Unterschiede: Der Lebensraumverlust ist in den südlichen und nördlichen Voralpen am größten. In den Zentralalpen hingegen ist er geringer, aber auch hier schrumpft die Anzahl geeigneter Gebiete deutlich.

Der Schneehase als Klimawandel-Indikator

 „Mit dem Verlust und der steigenden Zerstückelung der Lebensräume ist die Art zunehmend gefährdet“, sagt Dr. Maik Rehnus, der am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der BOKU Wien über den Schneehasen seine Doktorarbeit verfasst hat. Die Autoren empfehlen, alpenweit ein Schneehasen-Monitoring einzurichten. Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer sieht in dieser Art einen guten Indikator für die Effekte des Klimawandels auf unsere Wildtiere. „Klimawandel bedeutet nicht nur steigende Meeresspiegel und Dürreperioden, auch unsere alpinen Ökosysteme stehen vor großen Herausforderungen“, so Hackländer.

Originalartikel:

Rehnus M., Bollmann K., Schmatz D., Hackländer K., Braunisch, V. (2018) Alpine glacial relict species losing out to climate change: the case of the fragmented mountain hare population (Lepus timidus) in the Alps. Global Change Biology. DOI: 10.1111/gcb.14087

Forscher identifizieren Schutzgebiete für vom Klimawandel bedrohte Arten

Da die Winter immer später beginnen und der Schnee früher schmilzt, kann der weltweite Rückgang der Schneedecke dramatische Auswirkungen auf Tiere haben, die mit den Jahreszeiten die Farbe ihres Fells oder Federkleids wechseln. Ein internationales Team von Wissenschaftern unter Mitwirkung von Univ.Prof. Klaus Hackländer hat herausgefunden, ob diese Tiere ihre Überlebensstrategie im Zuge des Klimawandels anpassen können. Die renommierte Fachzeitschrift „Science“ hat heute den entsprechenden Artikel veröffentlicht (http://dx.doi.org/10.1126/science.aan8097

Link zum Artikel auf scienceORF.at  (http://science.orf.at/stories/2895680)

Farbwechsel als Überlebensstrategie

21 Arten von Säugetieren und Vögeln sind auf die Fähigkeit angewiesen, die Farbe ihres Fells oder Federkleids von braun im Sommer zu weiß im Winter zu ändern, um tödliche Begegnungen mit Fressfeinden zu vermeiden. In einigen Teilen ihres Verbreitungsgebietes verzichten die Vertreter dieser Arten aber auf die weiße Umfärbung und bleiben auch im Winter braun.  "Hermeline in den südlichen USA und Schneehasen in Irland z.B. bleiben das ganze Jahr über braun", so BOKU-Experte Klaus Hackländer. "Das ist eine genetische Anpassung, um die Tarnung in Gebieten mit unregelmäßig auftretendem oder spärlichem Schnee zu erhalten."

Neben dieser radikalen Anpassung gibt es aber auch innerhalb des Verbreitungsgebietes unterschiedlich lange „Weißphasen“. Hackländer fand bereits heraus, dass die Umfärbung des Schneehasen in den Alpen sehr variiert: Hasen in den Zentralalpen sind im Herbst früher weiß und wechseln später zum braunen Sommerfell als Individuen, die z.B. in den Südalpen leben – ein Ergebnis langfristiger Anpassung. Bei manchen dieser Arten gibt es auch polymorphe Populationen, die je nach Winterhärte aus unterschiedlichen Anteilen von weiß werdenden oder braun bleibenden Tieren bestehen. Der rasch voranschreitende Klimawandel überfordert jedoch manche Arten in ihrer Anpassungsfähigkeit und führt zum lokalen Aussterben und damit Arealverkleinerungen.

Polymorphe Populationen im Vorteil

Im aktuellen Artikel der Fachzeitschrift Science identifizieren die Wissenschafter Gebiete, die eine schnelle "evolutionäre Rettung" für vom Klimawandel bedrohte Arten fördern könnten. Es wurden "polymorphe Zonen" für acht farbverändernde Arten festgehalten - u.a. Hasen, Wiesel und Polarfüchse. In diesen Zonen koexistieren im Winter sowohl braune als auch weiße Individuen: "Die winterbraunen Individuen sind dort besser an kürzere Winter angepasst. Durch sie sind diese polymorphen Populationen darauf vorbereitet, eine rasche Evolution in Richtung Winterbraun anstelle von Weiß zu fördern, wenn sich das Klima ändert", so Hackländer.

Die Autoren betonen, dass diese Hotspots für evolutionäre Rettung keine Bollwerke darstellen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Wildtiere verhindern. "Letztendlich muss die Welt die Kohlendioxidemissionen reduzieren, sonst werden die Klimaeffekte die Fähigkeit vieler Arten zur Anpassung überfordern", sagte der Initiator der Studie Scott Mills von der Universität Montana.

Radio-Tipp: Vom Leben der Natur auf Ö1. „Große Nager zu Wasser und zu Land“

22. Jänner 2018

Vom Leben der Natur auf Ö1. Mag. Patricia Graf Ph.D. und Josephin Böhm MSc über „Große Nager zu Wasser und zu Land“

In fünf Radiobeiträgen (22. - 26.Jänner 2018 jeweils um 8:55 Uhr) erzählen die IWJ-Mitarbeiterinnen Mag. Patricia Graf Ph.D. und Josephin Böhm MSc auf Ö1 über „Große Nager zu Wasser und zu Land“ - die Eurasischen Biber. Online stehen die Interviews außerdem 7 Tage lang zum Nachhören zur Verfügung (http://oe1.orf.at/programm/20180122/501375). Gestaltung: Jakob Fessler

„Der Biber frisst im Sommer krautige Pflanzen, Gräser und Wasserpflanzen. Im Winter steigt er auf holzige Nahrung um. Große, nachwachsende und orangefarbene Nagezähne ermöglichen ihm das Fällen großer Bäume, um im Winter an die saftige Rinde und an die Knospen der Zweige zu gelangen. Zusätzlich legt er Nahrungsflöße als Vorrat im Wasser vor seinem Bau an. Der Biber ist ein semiaquatisches Tier und lebt im Wasser und an Land. Schwimmhäute an den Hinterbeinen und ein Schwanz, der als Kelle bezeichnet wird, helfen ihm beim Schwimmen und Tauchen.

Als Ökosystem-Ingenieur kann der Biber seinen Lebensraum stark verändern. Er gräbt sich unterirdisch Biberburgen mit Gängen und Schlafkesseln. Der Eingang befindet sich unter Wasser und am Ufer, sodass der Bau vor Feinden geschützt ist. Ist die Wassertiefe zum Schwimmen und Tauchen oder für einen Eingang unter Wasser zu niedrig, baut der Biber einen Damm und staut das Wasser auf.

Durch die Biberdämme kann Wasser geklärt werden, außerdem können seichtere und tiefere Bereiche mit unterschiedlich starker Strömung als Lebensräume für andere Tierarten wie Fische, Amphibien und Reptilien geschaffen werden. Das durch Fällung geschaffene Totholz ist für viele Vogelarten wichtig, um Nester bauen zu können. Studien belegen, dass der Biber die Artenvielfalt erhöht und deshalb als Schlüsselart gilt.

Der Biber ist heute eine streng geschützte Wildtierart, die im 19. Jahrhundert in Europa fast vollständig ausgerottet wurde. Durch Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekte konnte sich der Bestand erholen - der Biber gilt in vielen Verbreitungsgebieten wieder als heimisch. Niederösterreich hat mit rund 3900 Tieren (Stand 2012) die größte Biberpopulation in Österreich. Seit 2006 gibt es in Niederösterreich auch ein "Bibermanagement". Die meisten Konflikte treten in Gewässernähe auf, wo Menschen den Lebensraum des Bibers mitbeanspruchen.

Im steilen Ufergebiet kann der Biber durch seine Bauten Hochwasserschutzdämme untergraben. Das Aufstauen des Gewässers durch Biberdämme kann zur Vernässung von Flächen führen. Nach genauen Beobachtungen und Bewertungen durch die zuständige Behörde können stufenweise verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Jeder Fall muss eigens geprüft und entschieden werden. Präventionsmaßnahmen wie Schutzgitter und Spezialanstrich als Fraßschutz für Bäume, der Eingriff in den Lebensraum des Bibers sowie als letzte Stufe der Eingriff in die Biberpopulation durch Tötung sind möglich.“

Link zum Ö1 Radiobeitrag


Radio-Tipp "Bewundern, hegen, füttern, jagen?"

20. Dezember 2017

Wildtiere in Kulturlandschaften.
Gäste: Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft und Hubert Schatz, Wildökologe des Landes Vorarlberg.
Moderation: Rainer Rosenberg.

Junge Luchse wurden vor kurzem in Vorarlberg gesichtet, Schakale im Burgenland und über Wölfe gibt es in ganz Europa heftige Diskussionen.

Führt die Anwesenheit von Beutegreifern zu einem "natürlichen" Ausgleich in der Tierwelt, oder ist der Traum von einer, sich im Gleichgewicht befindlichen Natur nur eine Fantasie der alles dominierenden Tierart Mensch?

Die Sicht auf Wildtiere schwankt zwischen Furcht und Sympathie, böser Märchenfigur und Stofftier. Wenn Wildkatzen nach Österreich ziehen und Füchse die Stadt bevölkern, treffen sie auf Sympathie; wenn Kormorane Fischteiche leerfressen und Biber Bäche aufstauen, ändert sich der Blick. Und es wurde schon einmal ein unter Schutz stehender Luchs in einer Tiefkühltruhe gefunden.

Rainer Rosenberg spricht mit Univ. Prof. Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur in Wien und mit Hubert Schatz, Wildökologe des Landes Vorarlberg (am Telefon).

Link zum Ö1 Radiobeitrag


"Keine Angst vor RStudio!" - Workshop zum Umgang mit der freien Programmiersprache "R"

18. Dezember 2017

In der Kalenderwoche 50 veranstaltete die Alumni-Fachgruppe Wildtierökologie und -Management (http://wildtieroekoalumni.boku.ac.at/) eine R-Woche, in der mehrere Workshops zum Umgang mit der freien  Programmiersprache R (https://www.r-project.org/) und der Entwicklungsumgebung RStudio (https://www.rstudio.com/) angeboten wurden. Unter dem Titel "Keine Angst vor RStudio" referierten Florian Kunz und Paul Griesberger am Montag, den 11.12.2017 vor etwa 40 KursteilnehmerInnen. Weiterführend wurde am folgenden Mittwoch von Frederik Sachser ein Kurs mit dem Titel "Data Exploration with R" angeboten, an dem etwa 20 TeilnehmerInnen partizipierten. Aufgrund des großen Interesses sind weitere Workshops zum Thema "R" angedacht und werden zukünftig in unregelmäßigen Abständen von Mitgliedern der Alumni-Fachgruppe organisiert und angeboten.



Radio-Tipp "Schneehasen ohne Schnee"

12. Dezember 2017

Ein Radiobeitrag auf Ö1 behandelt die Wildtiere im Zeichen des Klimawandels. Weniger Schnee und später Frost, mildere Temperaturen und mehr Futter - der Klimawandel beeinflusst die Lebensräume und Lebensbedingungen von Wildtieren im Winter. Darauf reagieren Tiere mit unterschiedlichen Strategien. Schneehasen beispielsweise, deren Habitat durch die Erderwärmung einschränkt wird, ziehen sich in höhere Alpenlagen zurück. Das hat zur Folge, dass die Populationen voneinander getrennt werden. Zusätzlich rückt von unten der braune Feldhase vor. Von milderen Wintern profitieren andererseits wiederum die Wildschweine, deren Frischlinge dann leichter und mehr Nahrung finden und so den Winter eher überleben. - Welche Tierarten sind also im Winter die Profiteure bzw. Verlierer des Klimawandels? Schreitet dieser generell zu schnell voran, damit sich Wildtiere anpassen können? Die Antworten geben Wildtierforscher des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni und des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU (Da der Klimawandel keine Jahreszeiten kennt, folgt im Sommer 2018
Teil 2.)

Link zum Ö1 Radiobeitrag


Zwei wissenschaftliche Artikel zum Thema „Populationsmodellierung und ökonomische Werte der Spießente (Anas acuta) in Nordamerika" veröffentlicht.

  • Quelle: https://www.fws.gov/birds/management/managed-species/focal-species.php (öffentliches Eigentum)

11. Dezember 2017

Dr. Brady Mattsson, Univ. Assist. am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, hat mit mehreren Mitautoren aus den USA, im Dezember 2017 zwei wissenschaftliche Artikel zum Thema „Populationsmodellierung und ökonomische Werte der Spießente (Anas acuta) in Nordamerika“ veröffentlicht.   „A general modeling framework for describing spatially structured population dynamics” wurde inEcology and Evolution”  publiziert, und “Recreation economics to inform migratory species conservation: Case study of the northern pintail” wurde im Journal of Environmental Management” publiziert.  Die Artikel stellen Informationen zur Verfügung, die uns die Ökologie sehr mobiler Tierarten besser verstehen lassen und für das Management des weiträumigen Lebensraumes sehr wichtig sind.


Maik Rehnus - Doktor der Bodenkultur

Maik Rehnus - Doktor der Bodenkultur

01. Dezember 2017

Maik Rehnus, Doktorand am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, hat heute seine Dissertation "Stress reaction, habitat use and the consequences of climate change on mountain hare (Lepus timidus) in the
Alps" (Betreuer: Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer , Dr. Kurt Bollmann (Eidg. Forschungsanstalt WSL), Dr. Veronika Braunisch (Forstl. Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg) erfolgreich verteidigt. Die Prüfungskommission bestehend aus Ao. Univ.Prof. Dr. Rupert Palme (Vetmeduni Wien), Ao. Univ.Prof. Dr. Wilhelm Knaus (Vorsitz) und Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer und das ganze Institut gratuliert
herzlich!


Leo Obermair zum stv. Geschäftsführer des NÖ LJV ernannt

Leo Obermair zum stv. Geschäftsführer des NÖ LJV ernannt

01. Dezember 2017

Leopold Obermair MSc, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am
IWJ,  wurde zum stv. Geschäftsführer im Niederösterreichischen
Landesjagdverband bestellt und unterstützt damit die neu ernannte
Geschäftsführerin Mag. Sylvia Scherhaufer. Landesjägermeister DI
Josef Pröll (v.l.) setzt auf die Fachkompetenz von Leopold Obermair, der
nach seiner Tätigkeit als Berufsjäger in Salzburg und Tansania an der
BOKU "Umwelt- und Bioressourcenmanagement" sowie "Wildtierökologie und
Wildtiermanagement" studiert hat. Zuletzt war er als wissenschaftlicher
Projektmitarbeiter in einem FFG-geförderten Projekt im Kaprunertal. Wir
gratulieren von Herzen und wünschen alles Gute für die neue berufliche
Aufgabe! (Link zum jagdundnatur-tv-Beitrag)


Bär, Luchs, Wolf im Fokus

Bär, Luchs, Wolf im Fokus

01. Dezember 2017

Im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojektes zu den Auswirkungen von großen Beutegreifern auf Forstbetriebe führte das IWJ einen internationalen Workshop durch, für den die Projektverantwortlichen Dr. Christine Miller und Andreas Daim MSc namhafte Experten aus den USA, Europa und Australien gewinnen konnten. Schwerpunkte des Workshops waren Fragen rund um die Rolle von großen Beutegreifern auf die Wildbewirtschaftung und den Waldschutz in Österreich. Die Ergebnisse des Workshops fließen in eine Gesamtbeurteilung ein, die im Laufe desnächsten Jahres veröffentlich werden.


Kleinsäugerforschung wurde prämiert

Kleinsäugerforschung wurde prämiert

01. Dezember 2017

Im Rahmen einer akademischen Feier nahm Mag. Iris Kempter, Doktorandin am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, den "Granser-United Global Academy Forschungspreis für eine nachhaltige Jagd" entgegen.
Prämiert wurde die Arbeit "Herbivory on young tree seedlings in old-growth and managed mountain forests", die in der Fachzeitschrift Ecological Research erschienen ist und von Ass.Prof. Dr. Nopp Mayr, Mag. Iris Kempter, Mag. Gerald Muralt und Ao.Univ.Prof. Dr. Georg Gratzer verfasst wurde. Die Mitglieder der Preis-Jury Univ.Prof. Dr. Klaus Hackläder, Dr. Franz Harnoncourt-Unverzagt, Hon.Prof. Dr. Günther Granser, Ing. Martin Ossmann und Univ.Prof. Dr. Martin Gerzabek (v.l.) würdigten die Bedeutung der Arbeit für das Verständnis der Rolle der Kleinsäuger auf die  Waldverjüngung und den damit verbundenen Beitrag zur Versachlichung des Forst-Jagd-Diskussion.

Herzliche Gratulation!